Wo sehe ich den Müllstrudel, der die Größe Mitteleuropas haben soll?

Der Z!-Podcast berichtete gestern von einer 100 Millionen Tonnen Plastikmüll, die sich durch Meeresströmungen bedingt im Nordpazifik sammelt (Artikel in Spiegel Online, Zahl aus The Independent). Berichten zufolge sieht man dort vom Schiff aus Plastikmüll bis zum Horizont. Der Müllteppich sei so groß wie Texas, die gesamten USA oder ganz Mitteleuropa (je nach Quelle). Eine unglaubliche Geschichte, die mehr Beachtung finden sollte? Sicher. Aber eine Story ohne Bilder ist keine Story.

Wie kann man die Geschichte also verbreiten? Warum machen wir nicht eine Website mit zwei Google Maps, links der Müllstrudel, rechts die Heimatstadt des Besuchers der Seite? Das sollte technisch doch kein Problem sein (etwas Javascript um die beiden Karten gleichzeitig zu zoomen und eine IP-Mapping um den Aufenthaltsort des Besuchers festzustellen, mehr muss es ja gar nicht sein). Eine solche Seite ködert externe Links im Sinne von Seth Godin. Godin meint, dass mit solchen kleinen Seiten, die in wenigen Sekunden eine klare Botschaft vermitteln, jeder hunderttausende Besucher anlocken kann:

You get a TON of visits. Like 250,000 new people.

Sure, only a few will actually click around and interact with you, but still, it’s neat to have it happen and it might very well have ancillary benefits in your search results.

But mostly, do it because you can.

Also mache ich mich auf die Suche nach Satellitenbildern vom Müllstrudel. Satellitenfotos sind ja inzwischen leicht verfügbar, dachte ich mir, und etwas von der Größe Europas sollte doch zu finden sein. Schnell war recherchiert, dass der „Great Pacific Garbage Patch“ in der Nähe der Midwayinseln liegen soll und Wikimedia listet dazu einige Quellen zu Satellitenfotos der Midwayinseln auf.

Hier sollte der Müllstrudel sein


Größere Kartenansicht

Aber welch eine Enttäuschung: Die Meere sind blau und klar, keine Spur von Müll. Alles sieht idyllisch nach Südsee aus. Zum Beispiel finde ich einige Hütten auf einer Pazifik-Insel im nirgendwo.

Zoom heran, da sind wirklich Hütten!


Größere Kartenansicht

Kein Müll weit und breit zu sehen. Und nach weiterer Recherche finde ich eine Erklärung: Die Ozeanographin Holly Bamford meint im San Francisco Chronicle, der Müll sei einfach schwer zu erkennen:

Bamford added that the agency had attempted to take satellite photos of the area last year, but the overhead photos were inconclusive. „It’s hard to distinguish a whale reaching the surface versus a piece of plastic,“ she said.

Schade, dann gibt es also keine Satellitenfotos die man für eine Linkbait-Website verwenden könnte. 🙁 Es ist kein Teppich, sondern eine unsichtbare „Plastik-Suppe“, bestehend aus Teilen, die oft nur die Größe eines Sandkorns haben (Plastik-Pellets).

Und deswegen gibt es auch nur ein begrenztes Medieninteresse.

Die Geschichte des Müllstrudels ist nicht übrigens neu, wird aber gerade von der Presse aufgefrischt. Der Meldungsverlauf zum Thema Müllstrudel ist besonders schön bei der Nachrichten-Suchmaschine Romso zu sehen. Greenpeace, Experte für mediale Inszenierung, war schon 2006 mit einem Schiff vor Ort, hat aber nur wenige Foto mitgebracht: Bordtagebuch: Zum Müllstrudel im Nord-Pazifik.

Vielleicht kann man die gigantische Meeresverschmutzung auf eine andere Weise besser darstellen, wenn es keine Fotos gibt? Wenn der Müllstrudel genauer untersucht und vermessen ist, könnte man den Müllteppich vielleicht wenigstens symbolisch einmal über Mitteleuropa legen.

3 thoughts on “Wo sehe ich den Müllstrudel, der die Größe Mitteleuropas haben soll?”

  1. Hallo, auf impira gibt es seit heute ein „user generated“ Buchprojekt zum Thema Müll. Der Müllstrudel wäre ein interessantes Kapitel. Hätten Sie Lust mitzumachen ???

    Gruß,

    M.Frey

  2. Möchte nur anmerken: brauchen wir jetzt tatsächlich für jedes Leid und jede Verschmutzung, für jedes Fehlverhalten des Menschen auf diesem Planeten einen fotografischen Beweis oder wie? Ist dann das Grauen, der Schreck grösser, wird das schlechte Gewissen tiefer gehen?
    Hier geht es doch darum, wie wir im allgemeinen mit dem Planeten Erde umgehen! Das dieses Thema grauenhaft ist und uns alle zum Denken zwingen sollte, benötigt meines Erachtens nicht noch eine Foto-Story, oder?!

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