Die 10 größten Probleme als Online Produktmanager

Auf der „Un-Konferenz“ Barcamp Stuttgart II habe ich heute als erste Session den Vortrag von Florian Fastner gehört. Thema: Die zehn größten Probleme als Online Produktmanager. Aus seiner vierjährigen Erfahrung bei Autoscout24 erzählte er einiges, was ich gut nachvollziehen kann.

Florian definiert die Rolle des Produktmanagers als jemanden, der Produkte oder Funktionen umsetzt und betreut. Meine Definition für Produktmanagement ist ähnlich.

Hier meine Mitschrift zu den Top 10 Problemen von Produktmanagern:

  1. Viele Produktwünsche überrollen einen
    • Alle kommen mit Ideen und Vorschlägen, die es zu priorisieren gilt. Deshalb schlägt Florian vor, Einstiegshürden für Produktideen zu schaffen, z.B. ein zweiseitiges Formular das jeder Kollege erst einmal ausfüllen soll. In einem Unternehmen mit 300 Mitarbeitern mag das hilfreich sein. Ich selbst versuche eher diese Hürde gering zu halten, damit alle Interessen gehört werden.
    • Man sollte einen Prozess definieren (z.B. Scrum) und kommunizieren, damit nicht „auf Zuruf“ Produktfeatures umgesetzt werden. Der Prozess soll für alle Beteiligten transparent sein.
    • Transparenz, damit es keine Enttäuschung beim Ideengeber gibt und nach der Evaluation auch Feedback geben. Priorisieren: Aufwand und Komplexität grob schätzen und sich fragen, ob die Idee auch zur Strategie des Unternehmens passt – am besten in interdisziplinären Runden zwischen IT und Produktmanagemt (klingt nach Gespräch zwischen Product Owner und Scrum Master 😉 ).
  2. Es gibt keine Produktstrategie
    • Die Produktstrategie sollte man von der Geschäftsführung einfordern
    • Wenn nichts kommt, dann sollte man selbst aktiv eine Strategie vorschlagen und nach oben abstimmen
    • Fokussieren
    • Nicht alles nachbauen, was Wettbewerber machen, sondern eine eigene Strategie verfolgen.
  3. Man muss mit Produktskeptikern und -Feinden umgehen
    • Stakeholer abholen (Essen gehen), sie anhören und ihnen einen Vorteil anbieten
    • Kritische Themen vorher vom Management absegnen lassen („Wir wollen wirklich diesen Bannerplatz nicht mehr auf der Startseite?“)
  4. Interne „Experten“ meinen zu wissen, was Kunden wollen
    • Nicht alle fragen sondern Multiplikatoren aus allen betreffenden Bereichen verwenden. Keine Riesenrunden in denen diskutiert wird öffnen.
    • Zahlen statt Bauchgefühl und testen, testen, testen (A/B-Tests)
    • Zusage vom Management zur Methodik geben lassen
  5. Schätzungen stimmen nie
    • Auch Produktmanagement und Qualitätssicherung (QA) kosten Zeit und Geld.
    • Man sollte lieber kleine Schritte machen als große Sprünge
    • In der Planung besteht der beste Hebel für das Produktmanagement darin, den Umfang des Projekts zu verändern („Scope“). Dabei lieber 80 Prozent der Features zu 100 Prozent fertig machen als 100 Prozent der Features zu 80 Prozent. – Mal angenommen es gäbe so etwas wie 100 Prozent. 😉
    • Agile Methoden helfen Schätzungen zu verbessern
  6. Spezifikationen liest keiner
    • viel Kommunizieren
    • Sitzplätze der Mitarbeier mischen, damit diese kommunizieren
    • Prototypen sagen mehr als 1000 Worte
    • Dokumentation als Mittel zum Zweck betrachten und nicht als heilige Kuh
  7. Die IT ist fertig und damit wird das Ziel als erreicht betrachtet
    • Produktmanagement und IT braucht gemeinsame Ziele.
    • Auch die Entwickler für Design und Usability begeistern.
    • Alle müssen Qualität verinnerlichen (nicht weichkochen lassen)
  8. Das Produktportfolio wird immer umfangreicher
    • Produktcontrolling: Welches Produktfeature bringt wieviel ein und welchen Aufwans müssen wir immer wieder reinstecken? Laufende Aufwände erfassen.
    • Es gibt keine „Nebenher-Produkte“. Alles macht Arbeit.
    • Man sollte den Mut haben, Produkte auch mal „sterben“ zu lassen
  9. Alle hoffen auf einen „Big Bang“ Effekt
    • Den gibt es nicht, viele rechnen aber damit und sind dann enttäuscht
    • Gentle Deployment und vorher ankündigen
    • idealerweise eine zeitlang beide Versionen parallel anbieten, damit sich die Leute langsam umgewöhnen können
    • Die Abteilungen im Unternehmen über die Änderungen regelmäßig informieren
  10. Es gibt keine Zeit für nachhaltiges Produktwachstum
    • Erwartungshaltung relativieren
    • Benchmark Zahlen besorgen
    • Nicht sofort „optimieren“

Danke für den schönen Vortrag, Florian! Falls ich etwas falsch verstanden habe korrigiert ich bitte.

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  • Portrait Foto von Holger Dieterich, 2010


    Holger Dieterich
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